[Rezi] Lena Klassen - Wild

http://www.amazon.de/Wild-Lena-Klassen/dp/3931989798/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1450396141&sr=8-1&keywords=lena+klassen+wildhttps://www.drachenmond.de/titel/wild/
 Gezähmte Gefühle. Eine Welt ohne Krankheit und Kummer. Kein Leid und keine Leidenschaft. Einmal wöchentlich bekommt jeder in "Neustadt" seine Glücksinjektion. Trotzdem ist die siebzehnjährige Pi nicht so glücklich wie alle anderen. Stimmt etwas nicht mit ihr? Oder warum darf sie nicht mit Lucky zusammen sein, ihrem besten Freund? Anders zu sein ist gefährlich, denn hinter dem Zaun, der "Neustadt" umgibt, liegt die Wildnis. Dort herrschen noch Krankheit und Gewalt - und dorthin werden alle verbannt, die aus der Reihe tanzen. Dann geschieht etwas Unfassbares: Die Glücksdroge versagt. Und plötzlich steht Pi vor der Entscheidung ihres Lebens: Liebe oder Freiheit?
 
Uff, also wenn die Rezension jetzt ein wenig wirr wirkt, könnte das daran liegen, dass ich noch TOTAL fertig bin! Dieses Ende… okay, ich greife mal nicht so vor.

In „Wild“ von Lena Klasse dreht sich alles um Pi, ein siebzehnjähriges Mädchen aus Neustadt. Doch die Welt, in der sie lebt, ist nicht mehr ganz so wie wir es kennen. Einmal die Woche bekommt jeder Einwohner Neustadts eine Glücksinjektion, so dass alle nur noch emotionslose, immer zufriedene Roboter sind. Nur bei Pi will das Ganze nicht so recht funktionieren, sie lebt eher wie in einer grauen Wolke, als auf Wolke sieben. Und als dann auch noch die Injektion völlig versagt, hat sie ein gewaltiges Problem, denn wer einmal die „wilden“ Gefühle gespürt hat, wird verbannt, so heißt es jedenfalls. Doch sie ist nicht die Einzige, bei der die Injektion versagt. Und wie soll es nun mal anders sein, die wilden Gefühle werden richtig wild, denn Pi und jemand anderes verlieben sich natürlich ineinander. Soweit Klischee, aber völlig in Ordnung! Es passt in diesem Fall einfach, es verleiht dem Ganzen eine ganz spezielle Dramatik.

Wie bei vielen Dystopien lässt sich eine gewisse Gesellschaftskritik herauslesen – ob dies so gewollt ist vermag ich nicht behaupten, aber mir kommt es so vor. Einerseits ist es so, dass die oberen Schichten, also die schönen und reichen, so eine Menge friedlicher Schäfchen unter sich haben, die einfach nichts hinterfragen. Und wenn jemand mal verschwindet, weil er aus der Reihe tanzt? Egal! Und genau das ist einfach ein so krasser Gedanke, den Leuten war es total egal wenn jemand stirbt, verbannt wird, fremdgeht oder sonst was, selbst wenn es um das eigene Kind geht. Ich finde eine solche Zukunft gar nicht so abwegig, Mittelchen gibt’s bestimmt, und es gäbe mit Sicherheit eine menge Personen, die gerne einen auf Führer machen möchten, ohne das nachgefragt wird. So kann man doch schalten und walten wie man will. Und keiner merkt, dass es so ist.

Pi ist eigentlich ein sympathischer Charakter. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie schon ZU mutig ist, ich hätte da schon längst den Schwanz eingezogen. Eventuell bin ich aber auch einfach nicht mutig genug. Oder beides. Dementsprechend handelt sie nicht immer nachvollziehbar – für mich – was aber nicht gestört hat. Sonst müsste ich es ja nicht lesen, wenn ich weiß, was sie tut :-)
Aber bei absolut allen anderen Charakteren sieht das anders aus. Man kann sie den einen Moment lieben und im nächsten Moment hasst man sie! Total unvorhersehbar, zumindest meistens, und auch irgendwie verlogen. Weil wenn man gerade denkt, dass eine Person auf der selben Seite steht oder zumindest uneigennützig hilft, ja denkste, Pusteblume. Nichts ist wie es scheint. Das war spannend und schockierend zugleich für mich – aber das wahre Leben ist ja genauso.

Spannungstechnisch kann ich mich wirklich nicht beklagen. Ich habe beinahe das ganze Buch in einem Stück gelesen, so um die 300 Seiten, und den Rest eben in einem zweiten Anlauf. Das lag aber auch nicht daran, dass ich eine Pause gebraucht hätte, sondern das Leben rief nach mir. Gegen Ende gab es einen Höhepunkt, der nochmal ordentlich eskalierte, mir aber auch missfällt. Das Ende ist einfach kacke, sorry, aber ist so. Ich bin da nicht mit einverstanden, auch wenn es wohl so enden musste :(

Der Schreibstil entspricht den heutigen Jugendbüchern. Er lässt sich gut und flüssig lesen, es gab keine unklaren Formulierungen.

Kleine Warnung an alle, die gerne Taschenbücher besitzen: derzeit gibt es nur Band 1 als Taschenbuch, Band 2 wohl nur als E-Book. Für mich ein absolutes No-Go, da ich keine E-Books lese…

Warnung hin oder her, ich bin total mitgerissen, emotional und gedanklich. Ich brauch einen Kindle, JETZT, damit ich den zweiten Band verschlingen kann! Verdammt…. Das Jahr ist ja beinahe rum, dann kann ich es ja behaupten: „Wild“ ist mein Jahreshighlight!


[Rezension] Indira Jackson - Rayan: Sohn der Wüste

http://www.amazon.de/Rayan-Sohn-W%C3%BCste-Indira-Jackson/dp/3737562660/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1449490744&sr=8-1&keywords=rayan
Vielen Dank an Indie Publishing und Blogg dein Buch für das Rezensionsexemplar.
 "Der Sohn der Wüste" beschreibt das Leben des Scheichs Rayan Ibn Sedat Suekran al Medina y Nayran. Die Geschichte beginnt in der Gegenwart, wo er als mächtiger Mann gegen seine Feinde ankämpft und sein Leben bedroht wird. Alldem begegnet er mit Härte, Disziplin und Unnachgiebigkeit. Umso mehr wird er von den Tücken der Liebe überrascht: Der Liebe zu einer Deutschen, die so ganz anders ist als alle anderen Frauen, mit denen er bisher konfrontiert war. Die Erzählung führt zurück in seine Kindheit und seiner Jugend, als er von seinem tyrannischen Vater davonlaufen muss, von ihm verstoßen wird, dem knappen Tod nur durch eine List entrinnt und in die Einsamkeit getrieben wird. Allein auf sich gestellt gelingt es ihm ein neues Leben aufzubauen, bis die Vergangenheit ihn einholt und er alles geben muss um seine Bestimmung zu finden. Und dann ist da auch noch seine Verbindung nach Amerika. Auf der anderen Seite steht Carina Hartmann, eine moderne Frau aus München, die ihre Faszination in die Geschichte des Scheichs nach Arabien treibt. Hin- und Hergerissen zwischen Abscheu vor den Grausamkeiten, deren Zeugin sie werden muss und der starken Anziehungskraft die der Scheich auf sie ausübt, gibt sie nicht auf, bis sie ihr Ziel erreicht hat: das sagenumworbene Zarifa, der Heimat des Scheichs.
 "Rayan - der Sohn der Wüste" ist das Erstlingswerk von Indira Jackson. Im Prinzip geht es um die altbekannte Thematik, Mann und Frau verlieben sich, obwohl sie aufgrund kultureller Gegebenheiten nicht zusammenpassen, doch das Feuer der Lust ist einfach zu stark um zu widerstehen. Nichts neues, aber irgendwie hat Indira Jackson es geschafft, dass es besonders wird. Kann aber auch daran liegen, dass ich dieses Genre äußerst selten lese und daher sicherlich noch nicht so abgestumpft bin.
Rayan, dessen vollständigen Namen ich nicht aussprechen kann, ist mir nicht besonders sympathisch. Er ist Typ Christian Grey, der wilde Wolf, der zwischendurch einen Schafspelz durchblitzen lässt. Mir ist das zu viel Klischee, ich lese lieber über Männer, die sich treu bleiben. Entweder Arsch, oder lieb, aber nicht beides bitte. Er war für mich irgendwie undurchsichtig.

Carina hat es da schon besser bei mir, auch wenn die sämtliche Klischees bedient. Sie wirkt aber bei weitem nicht so wechselhaft, das gefällt mir besser.

Der Schreibstil ist für ein Erstlingswerk sehr gelungen. Es gibt zwischendurch Wortwiederholungen oder etwas stolperige stellen, aber es hält sich wirklich in Grenzen. Ich wäre nicht davon ausgegangen, dass es sich um ein Debüt handelt. Vor allem kommt es da ja oftmals vor, dass Szenen nicht durchdacht wirken, den Eindruck hatte ich aber nicht. Und auch eine der, meiner Meinung nach, königsdisziplinen wurde gut gemeistert: Zeitsprünge. Oftmals verwirrend, wurden jene gut eingebaut, so dass ich hervorragend mitkam, ohne vor Verwirrung zu verzweifeln. Es ist auch spannend, ja, wobei ich direkt wusste, wie es ausgeht. Aber das ist halt auch genretypisch, und man liest es dennoch, daher kein negativer Punkt.

So im großen und ganzen gefiel es mir, aber die Klischees waren mir stellenweise zu viel des Guten. Daher vergebe ich 3,5 Eulen.