Alix Renard - Elissa [Rezension]

"Elissa" ist der neue Erfolgsroman des Berliner Schriftstellers Rudolph Castell. "Elissa" ist gleichzeitig die Geschichte seines Lebens - Elissa ist die Tochter, die vor 1988 in der DDR spurlos verschwand und die er seitdem unermüdlich sucht.
Darunter leidet seine Ehe zu der Theaterschauspielerin Josephine, die sich von ihm ungeliebt fühlt und in eine Affäre flüchtet. Auch Rudolphs jüngere Kinder haben sich von ihm entfremdet, ohne dass er es bemerkt hat.
Der entscheidende Hinweis auf Elissa soll ein Wendepunkt in seinem Leben bedeuten und die Familie retten, doch die Wahrheit scheint sich vollkommen anders zu verhalten, als alle geahnt haben...
Ich habe „Elissa“ als E-Book von der Autorin gestellt bekommen und tue mich mit der Bewertung der Buchgestaltung etwas schwer. Es ist einfach etwas anderes als ein „richtiges“ Buch. Das Cover ist schlicht und passt gerade dadurch auch sehr gut. Versteht mich nicht falsch – Elissa ist nicht schlicht und langweilig sondern viel mehr aufs wesentliche beschränkt und dadurch „schnörkellos“. Alix Renards Schreibstil ist ebenso schnörkellos wir ihr Roman, das hat mir aber gut gefallen. Denn trotz weniger Beschreibungen und auch Umschreibungen ist es ihr gelungen, dass ich mir alles recht gut vorstellen und nachvollziehen konnte.

Aber nun erst mal zur Geschichte selbst: Rudolph ist Autor musste zur DDR-Zeit eine Gefängnisstrafe bewältigen und hat dadurch seine Frau und auch sein Kind verloren. Denn seine Frau ist mit dem Kind verschwunden. Dieses ist natürlich schon einige Jährchen her und obwohl Rudolph mittlerweile eine neue Familie mit Frau und 2 Kindern gegründet hat kann er seine kleine Tochter einfach nicht vergessen. Sie heißt Elissa und er hat sie das letzte mal gesehen, als sie 3 Jahre alt war. Seitdem sucht er sie vergeblich, geht immer wieder neuen Tipps nach um am Ende immer wieder seine Suche aufgeben zu müssen. Darunter leidet mittlerweile aber auch seine Familie – vor allem seine Frau und seine Tochter wenden sich immer und immer mehr von ihm ab. Seine Frau beginnt sogar eine Affäre und die Tochter fühlt sich vernachlässigt und hat alles andere als ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater. Sie denkt, dass er sich nur noch für Elissa interessieren würde und Elissa ja sowieso die bessere Tochter gewesen wäre. 

Durch Rudolphs neuestem Bucherfolg, passend zum Namen seiner Tochter „Elissa“ getauft, beginnt die Suche nach seiner Tochter erneut – denn er hat einen neuen Hinweis über ihren Aufenthaltsort bekommen. Doch wird er sie finden?

Ehrlich gesagt war mir Rudolph am Anfang echt unsympathisch, ich meine er vergisst irgendwo ernsthaft seine Familie und klammert sich an seine verschwundene Tochter. Natürlich kann ich verstehen wenn jemand verzweifelt sein Kind sucht aber darüber hinaus sollte nach so vielen Jahren die neue Familie einfach nicht vernachlässigt werden. Doch Seite für Seite wurde es immer besser!

Seine Tochter, Anouk, fand ich irgendwie toll. Sie ist kein kleines Mauerblümchen welches sich alles gefallen lässt, sie sagt ihre Meinung und das nicht zu knapp. Das sie nicht allzu begeistert von ihrem Vater ist kann man echt nachvollziehen. Besonders gegen Ende macht sie eine sehr interessante Entwicklung durch.

Ihr Bruder, Vincent, hat es in der Schule nicht leicht. Er verschanzt sich oft in seinem Zimmer und beschäftigt sich mit Computerspielen. Von den Mobbingattacken in der Schule bekommen seine Eltern aber nicht besonders viel mit – bis er irgendwann einen großen Schritt wagt und alles heraus kommt.
Josephine ist Rudolphs Ehefrau und hat eine Affäre, auch dieses kommt früher oder später heraus. Man merkt – Diese Familie hat es faustdick hinter den Ohren und wirklich nicht leicht. Abgesehen von Rudolph hatte ich auch nicht den Eindruck, dass irgendeiner von denen Interesse daran hätte Elissa zu finden. Seine Frau unterstützt ihn zwar bis zu einem gewissen Grade aber so richtig mitfühlend war keiner. 

Spannung war durchaus gegeben – aber irgendwie fehlte mir noch ein wenig mehr. Klar ich hab gehofft, dass Elissa gefunden wird aber so richtig mitgefiebert oder sogar bezweifelt, dass er sie jemals findet habe ich nicht. Das fand ich schade.

Das Ende wiederum fand ich recht überraschend – mit dem, was dann schlussendlich passiert ist und wer plötzlich maßgeblich an der Suche interessiert ist... damit habe ich wirklich nicht gerechnet. 
Alles in allem ein schöner Debütroman, welcher auch Anlass zum nachdenken gibt. Mit seinen wenigen Seiten ist es ein netter Happen für zwischendurch – also los probiert es, viel verlieren könnt ihr nicht ;)

4 Kommentare
  1. Wow, ich muss zugeben, ich bin ein bisschen verlegen wegen dieser tollen Rezension. :) Es freut mich sehr, dass es dir so gefallen hat und du Freude beim Lesen hattest. :)
    Vielen Dank, dass du mir als unbekannter Autorin eine Chance geben hast. ;)

    Mach weiter so mit deinem tollen Blog, du hast einen seeeeehr, seeeehr guten Buchgeschmack. ;)

    Liebe Grüße
    Alix

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    1. Liebe Alix,

      Ehre wem Ehre gebührt ;) Allerdings muss ich doch anmerken, dass das mit dem guten Buchgeschmack deinerseits natürlich dann nicht ganz unvoreingenommen ist :D

      Liebste Grüße,
      Sarah

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  2. 0,9 ct sind ein sehr geringer Preis :P Du hast das gut betrachte, es sind so viele Gedanken drin! Aber es war etwas massig - vlt. hättest du es besser gliedern können?

    Auérdem ist die Info zum Cover schwammig. Ich finde es auch etwas komisch, weil die Gebäude ganz unten stehen, es ansonsten aber hell ist.

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    1. Naja, mit dem Cover ist und bleibt geschmackssache - da schreibt jeder etwas anderes und das ist auch gut so ;)

      Was war bitte massig?

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