Janne Teller - Nichts (Rezension)



  „Ist das dort draußen im Sägewerk etwa nicht die Bedeutung?“ Sofie starrte Frederik so lange in die Augen, bis er den Blick senkte und nickte. „Wenn wir die Bedeutung aufgeben, ist nichts übrig!“ Nichts! Gar nichts! Niente! „Sind wir uns einig?“ Sie sah uns einen nach dem anderen an, schien mehr denn je zu brennen. „Ist die Bedeutung nicht wichtiger als alles andere?“ „Natürlich“, sagte Ole. Wir anderen nickten und murmelten unsere Zustimmung. /…/Wir hätten aufhören sollen, bevor es so weit gekommen war. Jetzt war es irgendwie zu spät, auch wenn ich tat, was ich konnte.“
 „Nichts bedeutet irgendetwas. Das weiß ich schon lange. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“ sagte Pierre Anthon, packte seine Sachen und verließ den Klassenraum. Den verbliebenen Schülern geht diese Aussage nicht aus den Kopf, wie kann Pierre behaupten, dass nichts einen Sinn hat? Immer weiter und weiter provoziert Pierre seine Mitschüler bis diese beschließen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. In einem Sägewerk versuchen sie alles zu sammeln, was für sie von Bedeutung ist. Doch wirklich bedeutsames bekommen sie dabei nicht zusammen. Daraufhin beschließen sie, dass jeder einzelne etwas sehr wichtiges von sich abgeben muss: Handschuhe, ein Rennrad, einen Gebetsteppich, die dänische Flagge. Doch so langsam beginnt das ganze zu eskalieren: Zöpfe, einen Hamster, einen Sarg, ein Hundekadaver und eine Geburtsurkunde sind noch lange nicht die Fahnenspitze. Als dann sogar eine Unschuld und ein kleiner Finger geopfert werden soll schreiten die Erwachsenen ein. Doch Pierre bleibt trotzdem gelassen und nimmt seine Mitschüler nicht ernst, er lacht über sie und bleibt fest an seiner Überzeugung hängen. Seine Mitschüler finden das allerdings garnicht so witzig und rächen sich bei ihm.
Das Buch kommt sehr schlicht daher, abgesehen von den wenigen Schriftzeichen und einem leicht ablösbaren Aufkleber ist alles in weiß gehalten. Der Schriftzug "Nichts" ist hervorgehoben und mein optisches und optisches Highlight.
Ich musste Janne Tellers 'Nichts' bereits vor 3 Jahren in der Schule lesen und fand es einfach nur schrecklich. Vor kurzem bin ich dann wieder darüber gestolpert und habe "Nichts" eine zweite Chance gegeben. Ja was soll ich sagen? Meine Meinung ist ähnlich geblieben, aber ich sehe es jetzt trotzdem etwas anders. Habe ich es in der Schule verflucht und als lächerlich für eine 12 Klasse eingestuft, habe ich nun doch festgestellt, dass in diesem Buch doch mehr steckt. Potenzial nämlich, und davon sogar sehr viel. Dazu gleich nochmal mehr.

Mein größter Kritikpunkt ist der Schreibstil. Ich weiss, das Buch ist und war für Jugendliche gedacht aber trotzdem kann man mehr erwarten. Der Stil ist sehr jugendlich und einfach, die Sätze sind kurz und knapp und die Handlung wird viel zu schnell abgespeist. Ich hätte mir einfach mehr Details, Nebeninformationen oder sonstige Ausschmückungen gewünscht, denn 12,99€ für 144 Seiten sind schon ein Wort zum Sonntag. Seltsam fand ich auch die Klimaxe ( mehrteilige Steigerungen). Als Beispiel wäre da "Blau. Mehr Blau. Am meisten Blau." gut geeignet, welcher auf Seite 67 direkt 2x verwendet wird. So etwas kam schon öfters vor und ich finde einmal kann man sich einem solchen Stilmittel ja bedienen, aber irgendwann ist auch gut. 'Nichts' ist aus der Sicht eines der Mädchen erzählt.

Der Gedanke und die Idee des Buches finde ich wiederum wirklich klasse. Man kann mithilfe dieses Buches stundenlang nachdenken und philosophieren, aber der Schreibstil hat mir jeglichen Spaß daran genommen. Die Charaktere sind nicht besonders gut ausgebaut und flach, ich konnte mich mit niemanden von ihnen identifizieren.
Im obigen Zitat wird dieses Werk als "Kinder- und Jugendliteratur" bezeichnet - verdammt, ich würde dieses Buch niemals einem Kind in die Hände geben. Das ganze Buch handelt irgendwo auch von kindlicher Naivität ( mal ehrlich, wer kommt denn auf die Idee einen Finger zu opfern um jemanden etwas zu beweisen?! ) und ich hätte echt Angst, dass Kinder so etwas nachahmen würden oder fortsetzen wollen, in dem sie selber Dinge sammeln die etwas "bedeuten". Ich würde das Buch nicht jedem weiterempfehlen, Personen die gerne philosophieren und interpretieren ja, aber ein wirkliches Lesevergnügen war es nicht. Ebenso kann ich den Hype nicht verstehen, das Ende ist zwar unvorhergesehen hart aber schocken konnte es mich nicht. Ich weiß, dass viele das anders sehen aber so ist eben meine Meinung, sorry.

2 Kommentare
  1. Kinder machen sowas. Natürlich ist das ganze eine Metapher. Aber... Kinder sind zu sowas fähig, Gruppendynamik :-) Ich fand das Buch gut, auch wenn ich mit der Handlung Probleme hatte - es ist eher spartanisch. Und das Cover gefällt mir!

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    1. Ja, Kinder sind zu sowas fähig, das stimmt wohl. Wie oft das vorkommt ( in solchem Ausmaß!) sei mal dahin gestellt. Aber der Schreibstil war mir so dermaßen unsymphatisch...
      Das Cover ist nicht schlecht und passend, das stimmt schon :)

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